1:0 for Italy

Coffee and cigarettes

Die Maschine dampft, knurrt, zischt, zappelt und gurgelt, als würde sie gleich explodieren,  doch es duftet wirklich wunderbar nach frischem Kaffee.

Nachdem der italienische Pizza Typ lautstark und etwas selbstgefällig seine „echte italienische Pizza“ angepriesen hatte, konnte ich es mir nicht verkneifen, in den USA nach „echtem italienischen Kaffee“ zu fragen.

Eigentlich wollte ich ihn nur etwas necken, deswegen bin ich etwas baff, als er sofort sagt:  „Ich mache dir einen.“ 1 : 0 Italien.

Im Fernsehen wird gerade Fußball übertragen und der kleine Imbiss nahe des Trails wird zur Brutstätte von Fußball- Phrasen, spielerischem Gezanke und europäischer Leidenschaft für immerhin etwas.

Die Amis mischen kräftig mit und von Zidane über Buffon und Thomas Müller gelangen alle am Ende zu dem Schluss:

Frankreich darf auf keinen Fall gewinnen.

Das ist europäische, nein, internationale Einigkeit. Wie leicht ist es doch, Menschen zueinander zu bringen!

Die Pizza ist phantastisch, der Kaffee auch.

Nichts übertrifft für mich einen guten Kaffee mit einer Zigarette. So einfach kann man mich glücklich machen.

Deli-blazing

Wir durchstreifen den Bundesstaat New York und haben uns dann widerwillig doch auf „Deli blazing“ eingelassen.

New York ist nicht wirklich gemacht für günstigen hiker resupply. Man hangelt sich hier von Imbissbude zu Imbissbude, das macht Spaß und man muss nicht all zuviel Essen schleppen.

Prinzipiell könnte man jeden Tag, wenn einen die Lust auf ein Sandwich oder Pizza packt, solches bekommen.

Der Nachteil: es geht ziemlich ins Geld.

Die kleinen Läden sind natürlich nicht günstig, man ist ja in New York.

Wenn man dann auch noch rauchen möchte, wie ich es dummerweise wieder tue, muss man manchmal 11 bis 16 Dollar für eine Schachtel Zigaretten hinlegen.

Aber schwere Zeiten erfordern harte Maßnahmen und letztendlich machen wir einfach mit und essen Pizza, Sandwiches und sonstige Köstlichkeiten und ich rauche wieder wie ein Schlot.

Zurück in „Rocksylvania“

New Jersey und New York waren definitiv mit mehr Steinen gespickt, als wir dachten.

In New York habe ich mich manchmal immer noch wie in „Rocksylvania“ gefühlt. Und später hatte ich das Gefühl, wieder auf einem kleinen Rollercoaster zu sein, wie am Ende von Virginia.

Emotional bin ich gerade wirklich nicht auf der Höhe meines Daseins.

Gestern erst dachte ich mir: es sieht hier ganz genauso aus wie es schon vor 3 Monaten ausgesehen hat.

Mir fehlt das Licht, mir fehlt die Sonne!

Immer laufen wir durch halbdunkle Wälder. Auf und ab und auf und ab. Laufen durch dunkle Wälder, Zelten in dunklen Wäldern, Aufwachen in dunklen Wäldern.

Doch körperlich bin ich dafür in Hochform!

Auf den anderen trails war ich zu dieser Zeit am Ende meiner Kräfte, die Höhe hat mir dort wahnsinnig zugesetzt.

Hier, durch die vielen Auf und Abs in moderater Höhe bin ich top fit!

Und das deli-blazing macht das alles erträglich. Die kleinen Läden hier sind super hiker-freundlich und lassen uns oft auch für  ein paar Dollar hinter ihrem Laden zelten.

In Kent schlafen wir dann wirklich einfach hinter dem unglaublich fantastischen ice cream store 45 on Main. Dort gibt es außer Eis alles von Harry-Potter-Süßigkeiten über Schoko-Krokodile bis hin zu sämtlichen Lakritz- Perversitäten dieser Erde.

The cabin

Am Ende von Connecticut schlafen wir in Jenny‘s cabin, ein wahres Idyll.

Spontan beschließen wir, einen Tag länger zu bleiben, weil es so ein magischer Ort ist.

Jenny und Alan sind in Rente, haben ein riesiges Grundstück mit Hühnern, Katze, Hund und Schafen. Jenny hat hinter dem Haus mit eigenen Händen ( und etwas Hilfe) selbst eine kleine Cabin errichtet.

Ein kleines Tiny House mit Wohnbereich, Tisch, Couch und einer Leiter nach oben, wo man in den Giebeln auf Matratzen schlafen kann.

Durch eine fast durchgehende Fensterfront hat man fast das Gefühl, in der Natur zu sein. Selten habe ich so gut geschlafen wie hier!

Morgen heißt es dann good bye Connecticut, hello Massachusetts.

Ich habe jetzt schon die Bee Gees im Ohr

 

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