Natalie und John aka 2fish1wale haben uns direkt nach dem Start bereits auf Insta angeschrieben. Sie sind Trailangels in Pennsylvania, Natalie ist in Ungarn geboren und in Hamburg aufgewachsen, weshalb wir gleich in ihren Fokus geraten sind. Glücklicherweise wohnen sie zwischen Boiling Springs und Duncannon, denn als wir in Boiling Springs ankommen, sind sie schon belegt. Witzig ist auch, dass Natalie mich angeschrieben hat, ob wir mit Bushwhack, Dreamer und Tagalong (BDT) wandern, die sie auch schon bei Insta ausgespäht hat, und so verbringen wir zu fünft einen wunderbaren Abend zusammen. Die beiden haben drei Schlafräume für Hiker, in der Garage liegen Handtücher, auf denen wir unsere stinkenden Sachen ausbreiten können, es gibt ein volles Regal mit Trailfood, an dem wir uns kostenlos bedienen dürfen und Natalie kocht uns eine sehr leckere Lasagne. Die Herzlichkeit der beiden kommt genau zum richtigen Zeitpunkt.
Die letzten Wochen waren schwer und von persönlichen Krisen geprägt. Es ist echt krass, wie sehr sich der Kopf auf den Körper auswirkt. Obwohl mein Körper mehr als genug zu Essen bekommt, sich über Neros und Zeros nicht beklagen kann, bin ich oft müde. Der Trail ist leider auch nicht wirklich geeignet, daran was zu ändern. Was aber immer hilft, ist Musik auf den Ohren. Auch wenn ich manchmal in ein verblüfftes Gesicht schauen muss, weil ich gerade lauthals mitgesungen habe, während um die Ecke mir Leute entgegenkamen, pusht mich die Musik über alle PUDs (Pointless Ups and Downs).
Da kommt es mehr als gelegen, dass uns Enegizer zum Haus seiner Eltern einlädt, wo wir einen super entspannten Zero verbringen. Es kommen einige seiner Freunde plus etwa 20 Hiker zu diesem Fest. Wir alle sind ausgelassen und ganz am Schluss, helfe ich Energizers Mum noch die Treppen rauf, die mittlerweile eine Herausforderung für sie geworden sind. Am nächsten Tag verbringen wir den Nachmittag auf dem Delaware River. Mit drei Kanus, drei Kajaks, zwei Paddleboards und einer Kühltruhe in jedem Kanu starten wir unseren Trip. Musik ist natürlich auch am Start und dann springen die mutigen unter uns noch von einer stillgelegten, 12 Meter hohen Eisenbahnbrücke. Ok, es ist fast schon betreutes Springen für mich, da ich den Weg über die Brücke zum Absprung nicht ohne Sehhilfe zurücklegen kann, ohne ernsthaft einen Unfall zu riskieren, weil ich so blind bin. Aber es findet sich jemand, der mit mir noch geht und dann meine Brille runterträgt.
Ansonsten machen wir gerade große Meilen und liegen ganz gut in der Zeit. New Jersey ist auch relativ schnell durchlaufen und New York fängt mit einem richtig schönen Stück an, bei dem man größtenteils auf einem Grat läuft, bei dem es sogar richtig viel Aussicht gibt.
Dreamer fällt dann ein Topf mit kochendem Wasser über den Körper. Zum Glück gibt es an diesem Shelter zwar einen kleinen Fluss, in den sie sich zum kühlen reinsetzen kann, aber die Verbrennungen sind leider so massiv, dass sie zwei Tage später einen Arzt aufsuchen und eine Woche Pause machen muss. Diese kann sie mit Bushwhack bei seinen Eltern verbringen. Tagalong, 4Score, die beiden Tschechen und die anderen beiden Deutschen verbringen mit uns den Regentag in einem Motel in Greenwood Lake. Das Motel hat eine Hikerrate, der Rest in diesem Dorf ist leider übertrieben teuer. Aber, man lebt ja bekanntlich nur einmal. Geld haben wir eh in den letzten 4 Wochen zu viel ausgegeben, da können wir uns auch noch einen Regentag-Zero leisten.
Happy Trails

Irgendwie dachte ich immer die Trail angels werden von den hikern kontaktiert.
Ich wünsch euch noch viele tolle Momente!