10 Tage ungeduscht

Auf dem AZT haben wir einmal 9 Tage ohne Dusche hinbekommen, dieser Rekord ist nun eingestellt. Mit etwas besser Planung oder auch nützlicheren Kommentaren hätte sich das vermeiden lassen. Aber fangen wir von vorne an.

Gestank ist natürlich immer ein Begleiter des Long-Distance-Hikers. Normalerweise bekommt man nur etwa einmal pro Woche die Chance zu duschen und da bleibt der ein oder andere Geruch nicht aus. Aber sowohl unsere tschechisch/ kanadischen Freunde als auch wir sind der Meinung, dass man auf dem AT schneller anfängt zu müffeln. Wir denken, dass das mit der hohen Luftfeuchtigkeit zu tun hat. Tatsächlich riecht man sich bereits nach zwei Tagen und denkt, puh, die letzte Säuberung ist schon wieder einige Tage her.

Wir nehmen den letzten Bus raus aus Franklin und machen nur eine Meile. Unsere Freunde sind uns nun dichter auf den Fersen und wir geben ihnen noch etwas Zeit zum Aufholen. Mit dem Wetter haben wir bisher ziemliches Glück gehabt. Ich hatte befürchtet, es würde mehr regnen. Dafür sind die Nächte und Morgen aber immer noch sehr kühl.
In Bryson City, was wirklich größer klingt als es ist, kaufe ich einen neuen Wasserfilter. Unser Platypus Quickdraw ist vom letzten Jahr und mittlerweile schon recht langsam, daher wird er durch einen neuen ersetzt. Nachdem wir 4 Meilen nur bergauf am nächsten Morgen gelaufen sind, müssen wir feststellen, dass der neue Filter nicht wirklich funktioniert. Also lasse ich Joker und die Rucksäcke stehen und springe die 4 Meilen wieder hinunter. Im NOC sagt mir dann die Mitarbeiterin, sie kann nichts für mich tun, da das ein Herstellungsfehler ist und ich soll mich an den Hersteller wenden. Sie kann mir aber 10 Prozent Nachlass auf einen neuen Filter anbieten. Ich starre sie leicht fassungslos an. Am Vortag hab ich unseren alten Platypus in die Hikerbox im NOC gelegt, der zwar noch funktioniert, den sich aber schon jemand unter den Nagel gerissen hat. Die Mitarbeiterin kommt mir nach und will dann doch den Manager fragen. Kurz darauf habe ich einen neuen Filter in der Hand, den ich gleich gegenüber im Klo teste. Selbes Ergebnis. Im NOC treffe ich diesmal direkt auf den Manager, der beim Hersteller anruft und bestätigt bekommt, dass das ein Herstellungsfehler ist. Also bietet er mir den guten alten Sawyer an, den ich dann notgedrungen nehme. Ohne Filter ist ganz schlecht. Insgesamt laufe ich also zusätzliche 8 Meilen, weshalb wir nach 7 Meilen Fortschritt bereits den Tag beenden. Am Shelter, welches wir für die Nacht ausgesucht haben kommen kurz vor Einbruch der Dunkelheit dann auch MasterChef und Fuego an, wir sind wieder vereint.

Jetzt kommen wir zu einem Tipp für alle, die vorhaben auch den AT zu laufen. Bei Meile 166,2 ist das Fontana Dam Shelter. Dort gibt es Toiletten mit einer kostenlosen Dusche. Nehmt also nicht das Shuttle an der Marina, Meile 164,7, sondern lauft noch die 1,5 Meilen, duscht euch und fahrt dann vom Shelter aus mit dem Shuttle zum General Store, wo ihr euch ein Resupply Paket hingeschickt habt und wascht dort eure Wäsche. Von alledem haben wir nichts getan. Stattdessen sind wir stinkend und mit einem völlig überteuerten Einkauf weitergezogen. Dafür haben wir am Shelter Cowboy Camping gemacht, womit wir auf insgesamt drei Tage ohne Zeit auf dem Trail kommen, zwei davon in einem Shelter. Das Schlafen in den Sheltern ist aber nicht so unser. Zu viel Krach wenn zu viele Leute, man will niemanden stören, wenn man nachts raus muss, manche berichten, dass ihnen nachts Mäuse übers Gesicht gelaufen sind. Im Zelt hat man alles um sich rum und wenn das Zelt am nächsten Morgen leer ist, hat man alles eingepackt. Dafür wird es im Shelter nicht nass. Choose your poison.

Auch wenn wir 3 Tage später in Gatlinburg ankommen, ist damit der Stinkrekord von 9 Tagen ohne Dusche eingestellt. Am Tag vorher laufen wir 17,8 Meilen (27,4 KM) und machen 4700 Fuß (1400 Meter) nach oben gut. Das ging trotz der endlosen, steilen Auf und Abs in den Smoky Mountains ganz gut. Wir sind also bereit für größere Meilen, welche wir auch langsam machen müssen, da wir in drei Wochen nun gerade mal 207 Meilen zusammen bekommen haben. Aber man soll ja auch langsam starten, um die Verletzungsgefahr zu minimieren. Leider hat MasterChefs Achillesferse die Aufholjagd nicht gut überstanden und so werden wir morgen alleine aus Gatlinburg (eine Stadt,von der Joker sicher noch berichten wird) zurück zum Trail kehren. Die Wiedervereinigung hat also nicht lange gedauert, wurde aber gebührend gefeiert.

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