Day 1-6

So unvorbereitet wie auf diesen Trail war ich bisher noch nie. Bis zum 28.2. haben wir oder besser ich, denn Joker hatte da schon frei, noch im Skiverleih gearbeitet, am 1.3. ging es in einer 9 Stunden Fahrt heim nach Marktredwitz, wo wir zwei Nächte geblieben sind, dann 3 Nächte in Nürnberg und am Samstag den 7.3. haben wir bereits das Flugzeug gen Atlanta bestiegen. Über den AT (Appalachian Trail) habe ich mir wirklich gar nichts angesehen. Einzig, ich hab angefangen A walk in the woods von Bill Bryson zu lesen. Natürlich im englischen Original. Witziger Weise wurde der Titel für den deutschen Markt zu Picknick mit Bären geändert. Vermutlich weil für Deutsche (Problem) Bären genauso exotisch sind wie für viele Amerikaner das Laufen. Ebenfalls lustig ist, dass sie für die Verfilmung die alten Haudegen Robert Redford und Nick Nolte ausgesucht haben, obwohl die Protagonisten jünger waren als Joker und ich. Bill und Katz haben aber auch in ihren frühen 40ern ein gutes Alt-Männerbild abgegeben, was dem ganzen durchaus Charme verleiht.

Ok, endlich angekommen in Atlanta treffen wir MasterChef und Fuego im Hotel. Die beiden sind gut 12 Stunden vor uns angekommen, durften aber nicht einchecken, weil dafür der Ausweis des Buchenden benötigt wird und das war leider ich. Die Wiedersehens Freude trübt das aber nicht und wir gönnen uns auf dem Zimmer noch ein paar Drinks und quatschen über alte Zeiten. Den nächsten Tag machen wir dann fast gar nichts, außer Essen gehen und nochmal Alkohol kaufen. Montag besucht uns dann Cliffhanger, den Joker und ich auf dem Arizona Trail getroffen haben. Wieder einmal ist es unglaublich, wie gut man sich mit Menschen versteht, die man eigentlich kaum kennt. Cliffhanger ist extra 3,5 Stunden Auto gefahren um uns zu sehen und er wird uns am nächsten Morgen auch zum Trail bringen.

Nachdem wir uns im Besucherzentrum Amicalola Falls registriert, Cliffhanger verabschiedet haben, geht es also los. Leider ist die Freude etwas getrübt, denn MasterChef plagen fürchterliche Halsschmerzen. Dennoch kämpfen wir uns die 600 Stufen zu den Fällen hinauf und erreichen nach 8.7 Meilen endlich den Startpunkt des AT. Es ist also wahr. Wir vier sind hier, um unsere Triple Crown zu verdienen. Jetzt endlich spüre ich, dass wieder 5 Monate Wandern, draußen sein und Abenteuer erleben vor uns liegen. Bisher konnte sich mein Kopf noch nicht wirklich damit befassen.

Da es MasterChef nicht besser geht, machen wir gleich am ersten Shelter halt und verbringen dort die Nacht. Nächsten Morgen ist ihr Hals kein wenig besser und so trennen sich unsere Wege vorläufig schon nach dem ersten Trail-Tag. Aber wir werden uns sicher bald wieder sehen.

Wir machen am zweiten Tag 15,5 Meilen und zelten dort die erste Nacht. Auf dem Weg zu unserem Nachtlager gab es bereits die erste Trailmagic. Ok, als uns Max ein kaltes Wasser angeboten hat, hab ich schon etwas blöd geschaut, denn sowas hab ich ja auch in meiner Flasche, aber es war eine nette Unterhaltung und oben drauf gab es noch ein paar Süßigkeiten, einen Handwärmer für Joker und zwei Trillerpfeifen für uns beide, falls wir mal verloren gehen und uns bemerkbar machen müssen.

Nach gerade mal 8,5 Meilen beschließen wir dann, den Tag zu beenden. Wir wollten zum einen lieber früh als spät am Tag im Green Dragon Hostel bei Hiawassee aufschlagen und zum anderen probieren wir uns Zeit zu lassen, damit unsere Freunde uns einholen können. Sie werden insgesamt vier Tage hinter uns sein. Am Zeltplatz treffe ich auf Just John, der bereits seine Triple Crown hat und aus Lust nochmal den AT laufen möchte, weil es für ihn der einfachste war.

Am nächsten Tag machen wir wieder keine 9 Meilen insgesamt, denn wir wollen uns ja Zeit lassen.

Dafür gibt es am darauf folgenden Tag bereits die zweite Trailmagic. Und diesmal haben die Angels richtig aufgefahren. Außer Bier gibt es fast alles. Nur die warme Suppe ist leider mit Fleisch, aber daneben gibt es Obst, Gemüse, Humus und allerlei Gebäck, Drinks, Kaffee, Tee und Erdnussbutter. Wir verbringen hier über eine Stunde. Wenn wir nicht 17 Meilen auf dem Zettel hätten, wären es vermutlich 3 oder 4 geworden. Einzig die persönliche Segnung bei der Verabschiedung haben wir dankend abgelehnt, was für die Trailangels aber auch völlig ok war. Nichtsdestotrotz merkt man schon, dass es hier religiöser zugeht als in den Staaten, in denen wir bisher waren.

Am Abend machen wir mit anderen Hikern ein großes Feuer, sitzen zusammen und labern und lachen. John spielt seine kleine 6 Saiter und man merkt, es stimmt, der AT ist mehr ein Social Trail. Pünktlich zu Hikers Midnight sind dann aber alle im Zelt.

Nach 5 Tagen wandern kommen wir am Sonntag schließlich am Unicoi Gap an, wo uns die dritte Trailmagic erwartet. Schnell schütte ich mir ein Rootbeer rein, denn schon 5 Minuten später holt uns unser Hostelvater Bill ab, der ein großer Tolkien-Fan ist und daher mit seiner Frau das Hostel Green Dragon getauft hat.

Morgen soll es einen Schneesturm geben und wir wissen noch nicht so genau, was wir machen wollen. Da wir aber nichts gebucht und die meisten Hiker Angst davor haben, wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als uns auf dem Trail ein lauschiges Plätzchen zu suchen. Aber wie auch immer, it will work out because the trail provides.

 

Happy

trails 🤙🏼

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